Verena Winiwarter war unser Hauptact bei #100minutenZukunft am 25. Februar (Das Video gibt es hier).

„Ist eine nachhaltige Entwicklung so wie das Mittelalter?“ fragte Verena Winiwarter gleich am Beginn ihres Vortrages (ab Minute 6). „Na hoffentlich nicht!“ meint sie mit Blick auf Bilder aus der Zeit und ihre sanitären „Entsorgungsinfrastrukturen“, also mittelalterliche Klos.  Vor allem die Städte hatten ein Entsorgungsproblem. Mittelalterliche Städte waren voll von Müll und der Boden nicht versiegelt. Auf den Bauernhöfen war Abfall Dünger, der teilweise auch aus den Städten angeliefert wurde. Eine frühe Form von Kreislaufwirtschaft, aber durchseucht von Makroparasiten, zum Beispiel Würmen.

Ein anderes Thema im Mittelalter ist der Wald als Bestandteil der mittelalterlichen Agrarwirtschaft (ab Minute 14). Tiere bringen mit ihren Exkrementen Biomasse-Dünger aus dem Wald auf die Höfe. Die Nutzung des Waldes führte aber auch zur Entwaldung. Heute kommt der Dünger aus der Fabrik und das erlaubt uns auch, den Wald wieder zuwachsen zu lassen. „45.000 Säcke Kunstdünger machen diesen Wald erst möglich“, sagt Winiwarter.

Die Pest und die Umwelt

Die Pest war eine „Pandemie mit Umweltwirkung“ (ab Minute 20) und Winiwarter zieht dabei auch Parallelen zu aktuellen Pandemien, die von Tieren auf Menschen übertragen wurden und sich über Transportkorridore verbreiten. Dabei trafen im Mittelalter Handelsreisende auf wegen aktueller Ernteausfälle unterernährte und damit geschwächte Menschen. 70% der Viren kommen heute von Tieren und werden auf den Menschen übertragen: „Ökologische Störungen und nicht-nachhaltiger Konsum treiben das Pandemierisiko“, sagt dazu der Welt-Biodiversitätsrat.

Was Hochwasser mit Pandemien zu tun hat

Die Natur konnte sich indessen erholen (ab Minute 26): Sie führt zur Wiederbewaldung, während die Hochwässer abnehmen. „Der Waldboden nimmt Wasser auf wie ein Schwamm“. Die Menschheit hingegen hat sich nur sehr langsam wieder von den Auswirkungen erholt.

Noch schwieriger ist die Restauration der Biosphäre. „Es geht daher um Prävention“, sagt Winiwarter. Prävention heißt: die Biodiversität erhalten. Sie schließt dabei den Bogen zur Region Römerland Carnuntum, in die ja auch der Nationalpark Donauauen hineinreicht.

„Wir haben es mit großflächigen Eingriffen in die Natur geschafft, dass wir uns eine Welt geschaffen haben, die nicht mehr stabil ist“, sagt Winiwarter mit Verweisen auf die Arbeit des Stockholm Resilience Center.

 

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