Wie können sich Menschen auf die Umbrüche, die vor uns liegen, einstellen – und wie können wir uns zu ihnen „in Beziehung setzen“? Diese Frage stellt sich und uns Markku Wilenius. „Die globale Pandemie gibt uns einen Einblick“, meint der Zukunftsforscher. Sie gibt uns einen Vorgeschmack darauf, wie wir die Welt in 20 oder 30 Jahren sehen könnten. 2020 habe gezeigt, „wie verrückt die globalen Handels- und Transportströme geworden sind.“

Transport sei aber eine Folge unserer Bedürfnisse. Gerade die jüngste Vergangenheit habe gezeigt, wie sich Bedürfnisse ändern. „Sie reagieren stark auf Herausforderungen und Möglichkeiten – und das in der aktuellen Situation sehr schnell“.

Vom Großen zum Kleinen

Als Landschaftsplaner ist Ralf Wunderer ist in der Region Römerland Carnuntum tätig, die im Spannungsfeld zweier Metropolregionen (Wien und Bratislava) liegt. Die beiden Großstädte sind durch die Verkehrsachsen A4 und Ostbahn verbunden, letztere soll auch ausgebaut werden – dazu kommt der Flughafen Wien-Schwechat. Die Siedlungsentwicklung hängt stark davon ab.

Seine konkrete Arbeit vor Ort wird dabei stark von Mobilitätsthemen beeinflusst, die anderswo entschieden werden. Die Ortsplanung legt Strukturen für Jahrzehnte fest, es sei daher darauf zu achten, „dass es dann in 20 Jahren auch noch passt und nicht Strukturen geschaffen werden, die dann niemand mehr will“.

Die „kleine Baulandwidmung“ müsse daher nicht nur auf lokale Bedürfnisse Rücksicht nehmen, sondern Teil des großen Ganzen sein, sagt Wunderer. Die globalen und technischen Entwicklungen (etwa von Drohnen oder 3D-Druckern) oder auch die durch die Pandemie beschleunigten Entwicklungen im Bereich des Tele-Workings können die Bedürfnisse der Menschen in der Region, in der heute viele Pendler leben, stark verändern.

Aufklärung statt Alarmismus

„Nie zuvor hatte die Menschheit so umfassende Mittel wie heute, um alle Herausforderungen – soziale, politische und ökologische – zu meistern“ meint dazu Günther Ofner, Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG. Entscheidend seien Vernunft, Wissenschaft und technologischer Fortschritt; die Gefahren liegen in Halbwahrheiten, Alarmismus und ‚Gut gemeint‘ anstelle von ‚gut gemacht‘. „Wir brauchen daher eine neue Aufklärung basierend auf Fakten und Vernunft,“ sagt Ofner.

„So wird es umso wichtiger, mit der Ressource Boden und der Ressource Mensch sensibel umzugehen“, sagt Landschaftsplaner Wunderer, sich zu überlegen, „wie sich die Ortsplanung an veränderte Transportströme und sich permanent ändernde Bedürfnisse der Bevölkerung immer wieder anpassen kann“.

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