Johannes Pressl, der Landschaftsökologe und Kommunalpolitiker mit Leib und Seele ist bei der NÖ Regional GmbH für Digitalisierung zuständig und möchte die Funktionen, die die Mobilität in Form des Pendler:innentums und des „Wegzugs“ in die  „zentralen Orte“ jahrzehntelang aus den kleineren Orten abgezogen hat, wieder dorthin zurückbringen. „Digitalisierung sollte nicht die Mobilität im Sinne der fortschreitenden ‚Wegbewegung‘ verändern, sondern sollte die Bewegung der Menschen über weite Entfernungen reduzieren, umgekehrt dafür die ‚Arbeitswelt‘ oder verschiedene Dienstleistungen näher zu den Menschen bringen.

Noch vor 50 bis 60 Jahren spielte sich das Leben für die meisten Menschen in einem jeweils engen Umfeld ab. Mit der Mobilität sind die Möglichkeiten gestiegen. Begriffe wie „Pendler:innen“ oder „Schlafsilos“ zeugen davon. „Die Vielfalt im Dorf hat sich damit ausgedünnt“, sagt Pressl (Video, Minute 53).

Jetzt gehe es darum, die guten Dinge durch Digitalisierung wieder zurück zu bekommen. Pressl nennt einige Beispiele von Chancen für den ländlichen Raum:

  • Kleine Geschäfte in der Nahversorgung mit Bezahlsystemen, die wir aus dem Onlinehandel kennen (Minute 57).
  • Gemeindeärzt:innen, die online Diagnosen stellen und Patient:innen auch über die Distanz zuhören und beraten können.
  • Pflegebedürftige, deren Gesundheitszustand auch digital überwacht werden kann (Minute 59).

Das alles wirkt direkt und indirekt auf die Mobilität zurück – und kann damit Mobilität einsparen und verlagern, zum Beispiel aufs Fahrrad, weil damit die Distanzen wieder schrumpfen werden.

So könne man die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Region nutzen, kommunale Strukturen stärken, Zusammenleben im Dorf ausbauen, Arbeits- und Wohnqualität verbessern. Das alles sei nicht neu. Neu sei, die Digitalisierung dafür zu nutzen.

Mathias Past ist studierter Logistiker und berät mit seinen Mitarbeiter:innen von Logsol (https://logsol.at) andere Unternehmen. Er möchte dabei die „Angst vor der Digitalisierung“ nehmen und dazu motivieren, „aktiv zu werden“. Denn: die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Es wird alles digitalisiert und automatisiert werden, was digitalisiert und automatisiert werden kann, sagt Past (Minute 69).

Den Begriff „digital“ gibt es im deutschen Sprachraum erst seit etwa 40 Jahren. Die digitale Transformation sei ein Prozess, der Wirtschaft, Staat und Gesellschaft grundlegend verändere, und natürlich dabei auch die Logistik. Die Branche sei sogar Vorreiter für die Digitalisierung gewesen, etwa mit dem elektronischen Ticketing. „und die Corona-Situation hat dazu beigetragen, das Ganze zu beschleunigen“.

Past fokussiert dabei auf die Chancen und Möglichkeiten und präsentiert dafür eine „Handlungsanleitung in vier Schritten“ für Akteur:innen in der Region (Minute 71). Dazu gehöre zu allererst, Ziele, Anforderungen und Prioritäten von Anfang an zu definieren. Dann müssen bestehende Prozesse hinterfragt und nicht einfach das Bestehende digitalisiert werden. Digitalisierung sei eine große Chance, grundsätzlich neu an Dinge heran zu gehen. Auswirkungen auf Datenschutz und Datensicherheit seien immer mit zu denken.

Digitale Transformation sei dabei ein kontinuierlicher Prozess: „Veränderungen passieren permanent“.  Wir sollten diese Prozesse umfassend betrachten und offen bleiben für Neues, sagt Past, gleichzeitig aber mit kleinen, ganz konkreten Schritten beginnen. (Minute 85).

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